Perle am Lago Maggiore, Juwel des Schweizer Tourismus – Ascona hat schon viele Titel erhalten. Nur, dass dieser Ort tatsächlich hält, was die Marketingslogans versprechen.

Neben einem ganzjährig milden, angenehmen Klima, der Landschaft, der herrlichen Lage und einer erstklassigen Infrastruktur bietet Ascona auch Kunst- und Kulturschätze aus verschiedenen Epochen. Dieser Ort hat Bildhauer, Maler, Architekten und Musiker angezogen und inspiriert, deren Spuren hier noch allgegenwärtig sind.
Neben weiteren Orten, die auf den folgenden Seiten beschrieben werden, führt uns eine der spannendsten Stationen auf einem künstlerisch-kulturellen Rundgang durch die Altstadt auf eine Anhöhe, von der aus man die ganze Pracht mit einem Blick erfassen kann: Zum Monte Verità, bei dem es sich in Wirklichkeit um wenig mehr als einen Hügel handelt, und der vom Zentrum Asconas gut zu erreichen ist. Ein energiegeladener, fast schon magischer Ort, eingebettet in einen 75.000 Quadratmeter grossen Park, entstanden 1899 auf Initiative eines reichen Bankiers, Eduard von der Heydt, als Treffpunkt für Menschen, die wie er, die Enge und die nur scheinbaren Möglichkeiten des bürgerlichen Lebens verabscheuten. So entwickelte sich der Monte Verità zum Tempel der Utopie, einer genossenschaftlich organisierten Kolonie von Menschen auf der Suche nach körperlicher und spiritueller Regeneration. Die Gemeinschaft bestand aus Individuen, die sich bewusst gegen alle Konventionen entschieden hatten, theosophische Schriften studierten, sich vegetarisch ernährten und dem Naturismus und Nudismus frönten.
Hier haben das Klima, der landschaftliche und naturalistische Rahmen und die geologischen Besonderheiten des Bodens, den sehr viele Menschen als magnetisch aufgeladen wahrnehmen, die Entstehung und Entwicklung von Ideen und Idealen erleichtert, die kennzeichnend waren für die Philosophie, die Kunst und das Denken der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Wie später das Teatro San Materno entstand auch der Monte Verità als Werkstätte für kreative Freiheit. Das Hotel im Bauhausstil wurde 2013 zum «Historischen Hotel des Jahres» gekürt und ist auch heute noch ein zuverlässiger Ort zur Meditation und Regeneration. Im Sommer 2017 öffnete das Museum Casa Anatta wieder seine Pforten. Nach dem Konzept von Harald Szeemann wird hier auf spannende Weise die bewegte Geschichte des Monte Verità erzählt. 

© Foto Copyright: Marco Agorri - Foto Studio 1 - Ascona

Mit Ascona sind auch viele andere Persönlichkeiten aus Politik, internationalen anarchistischen Bewegungen, aus Literatur und Kunst verbunden. So etwa der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque, Autor des berühmten Romans «Im Westen nichts Neues», der schon zur damaligen Zeit ein «Bestseller» war und ihm Ruhm und Reichtum einbrachte. Er erwarb in Ronco, am Ufer des Lago Maggiore, die Villa Tabor, in der er bis 1939 lebte. Nach längerem Aufenthalt in Amerika kehrte Remarque dorthin zurück und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1970.

Auch die Maler Julius Bissier (1893-1965), Alexej von Jawlensky (1864-1941) und Marianne von Werefkin (1860-1923), die Bildhauerin Margherita Osswald Toppi (1897-1971), die Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf (1915-2006), der Violinist Helmut Zacharias (1920-2002) und der Historiker Wolfgang Oppenheimer (1923-2014) verbrachten einen mehr oder weniger langen Abschnitt ihres Lebens in Ascona.
Bei einem Besuch auf den Friedhöfen von Ascona und Ronco, das wie ein Balkon über dem Lago Maggiore und den Brissago-Inseln im Hintergrund thront, kann man auf eine etwas andere Art jene Persönlichkeiten treffen, die diese malerische Gegend auch als Ort ihrer letzten Ruhestätte gewählt haben.